




Hallo zusammen,
mittlerweile bin ich schon fast drei Wochen hier. Einerseits kommt es mir wie eine Ewigkeit vor, andererseits könnte man meinen Aufenthalt aber auch immer noch mit einem Urlaub vergleichen, wenn man nur den Aspekt der Zeit betrachtet (ein Urlaub kann drei Wochen lang sein). Somit kann ich sagen, dass ich wahrscheinlich immer noch nicht ganz realisiert habe, dass ich hier ein ganzes Jahr bleiben werde. Ich freue mich jedoch sehr dass dies eintreffen wird, obwohl ich jetzt schon viele Menschen aus meiner Heimat vermisse.
Ich lebe mich immer besser ein, vor zwei Tagen zum Beispiel habe ich das erste Mal alleine am Telefon eine Pizza auf Portugiesisch bestellt (Die Pizzen sind klasse hier, sehr groß und sehr lecker; der Nach-Hause-Service ist günstig).
Die Arbeit gefällt mir bis jetzt sehr gut. Es macht einfach Spaß jeden tag neue Menschen kennenzulernen, die auch noch aus ganz unterschiedlichen Kulturen kommen. Bis jetzt bin ich Phillipinos, Indern, Engländern, Deutschen, Chinesen, Arabern, Niederländern und einem Griechen begegnet. Die große Mehrheit der Seefahrer ist wirklich ausgesprochen nett, umgänglich und höflich, was der klassischen Vorstellung von einem Seefahrer widerspricht, die wahrscheinlich so manch einer hat.
Auch innerhalb der Mitarbeiterschaft des Hauses geht es sehr international zu. Neben Brasilianern habe ich Kollegen aus Uruguay, Kolumbien und Peru. Dazu hat mein Chef deutsche - und ein anderer italienische Wurzeln.
In gewisser Weise komplettiere ich das Haus also als waschechter Europäer :-).
Die zu regelnden Formalitäten, wie Steuernummer, Visum, Führerschein, Hafengenehmigung, sind fast abgeschlossen, nur noch letzteres fehlt.
Wenn ich dann irgendwann im Besitz meiner Hafengenehmigung bin, darf ich Schiffe besuchen und kann dort dann das Programm der Seemannsmission vorstellen. Allerdings ist es momentan wichtiger, erstmal die Wege zum Hafen zu lernen.
Es ist schon ein kleines Abenteuer auf den brasilianischen Straßen zu fahren. Dennoch kann ich sagen: Die Brasilianer fahren disziplinierter, als ich anfangs dachte.
Gestern war das Rückspiel des großen Finals um den/die Copa do Brasil zwischen Bahia und Santos. Ich habe das Spiel in einer Bar in Santos gesehen und Santos hat den Pokal tatsächlich gewonnen. Was danach folgte, habe ich noch nicht erlebt.
Ich habe Santistas gesehen, die sich zum Zeitpunkt des Abpfiffs weinend in den Armen lagen. Der volle Stolz und die besonders hohe Emotionalität der Brasilianer war hier deutlich zu sehen und zu spüren, was mich sehr beeindruckt hat.
Es folgten Feuerwerke und Freudentänze, abgehalten mitten im Regen am kältesten Tag im Jahr (12 Grad). Echter Einsatz für einen Brasilianer! Wahre Fans...
Danach ging es am Praça da Independência (Unabhängigkeitsplatz) weiter, wo Tausende sangen, feierten und tanzten. Die Fans stürmten die Statue, behingen diese mit Flaggen und zündeten unermüdlich ihre Bengalischen Feuer bis vier Uhr am Morgen.
Das Fernsehen übertrug die Party währenddessen live.
Schaut mal hierrein, ab Minute 2 fängt die Party auf dem Unabhängigkeitsplatz an.Am Wochenende soll das Wetter endlich wieder besser werden! Es ist von 30 Grad am Sonntag die Rede :-)
Dies wird auch Zeit, mein Chef hatte sich tatsächlich schon eine Erkältung eingefangen.
Liebe Grüße in die Heimat!
Lukas